Euribor und Kredite

Der variable Kredit in Österreich und Deutschland

In Österreich ist der variabel verzinste Wohnkredit weit verbreitet; ein großer Teil des Kreditbestands ist an einen Referenzzins gebunden und wird regelmäßig angepasst. In Deutschland ist die lange Zinsbindung die Regel, und variable Kredite sind seltener. Dort tauchen sie vor allem bei Zwischenfinanzierungen, bei Krediten mit kurzer Restlaufzeit oder als Überbrückung bis zu einer neuen Zinsbindung auf.

Beiden Märkten gemeinsam ist der Mechanismus: Der Sollzins ist nicht fest, sondern setzt sich aus einem Referenzsatz und einem Aufschlag zusammen. Der Referenzsatz ist üblicherweise der 3-Monats-Euribor. Der Aufschlag wird bei Vertragsabschluss vereinbart und bleibt in der Regel für die gesamte Laufzeit gleich.

Welche Laufzeit: der 3-Monats-Euribor

Der 3-Monats-Euribor ist in Deutschland und Österreich die übliche Referenz, weil er zum Rhythmus der Zinsanpassung passt: Ein Satz für drei Monate, alle drei Monate neu eingesetzt. Manche Verträge nutzen stattdessen den 6-Monats- oder den 12-Monats-Euribor mit entsprechend längeren Anpassungsperioden. Welche Laufzeit für Sie gilt, steht in der Zinsanpassungsklausel, in Österreich häufig als Zinsgleitklausel bezeichnet.

Die Laufzeit hat Folgen. Ein Kredit am 3-Monats-Euribor reagiert innerhalb eines Quartals auf jede Bewegung des Marktes. Ein Kredit am 12-Monats-Euribor bekommt Änderungen nur einmal im Jahr zu spüren, dafür enthält der 12-Monats-Satz bereits die Erwartung des Marktes für das kommende Jahr und läuft der EZB-Politik oft voraus.

Die Zinsanpassung: Stichtag oder Monatsdurchschnitt

Zum Anpassungstermin, üblicherweise einmal pro Quartal, ersetzt die Bank den bisherigen Referenzwert durch den aktuellen. Wie der aktuelle Wert bestimmt wird, regelt der Vertrag, und hier gibt es zwei verbreitete Varianten.

Bei der Stichtagsregelung zählt der Euribor eines bestimmten Tages, etwa des letzten Geschäftstags vor Quartalsbeginn oder eines festen Kalendertags. Bei der Durchschnittsregelung zählt der Monatsdurchschnitt eines bestimmten Monats, etwa des Monats vor der Anpassung. Manche Verträge sehen zusätzlich vor, dass der Referenzwert vor dem Einsetzen gerundet wird. Und manche enthalten eine Untergrenze für den Referenzsatz oder für den Gesamtzins, gelegentlich auch eine Obergrenze.

Alle diese Details stehen im Vertrag oder in den Kreditbedingungen. Sie entscheiden darüber, welche Zahl aus den Tabellen dieser Website bei Ihrer nächsten Anpassung tatsächlich zählt.

Referenzsatz plus Aufschlag

Die Rechnung selbst ist einfach. Der Sollzins ist die Summe aus Referenzsatz und Aufschlag. Wenn Ihr Vertrag einen Aufschlag von 1,25 Prozentpunkten auf den 3-Monats-Euribor vorsieht und der Referenzwert zum Stichtag 2,679 % beträgt, ergibt sich Ihr Sollzins für das kommende Quartal aus genau diesen beiden Zahlen. Der Aufschlag ändert sich dabei nicht; nur der Referenzwert wird ausgetauscht.

Die Zinsen eines Quartals ergeben sich dann aus Restschuld mal Sollzins mal Anzahl der Tage geteilt durch 360 oder 365, je nach der im Vertrag vereinbarten Zinstagekonvention. Der Euribor selbst wird nach ACT/360 festgestellt; ob Ihre Bank für den Kreditzins dieselbe Konvention nutzt, steht ebenfalls im Vertrag.

Rechenbeispiel mit den aktuellen Werten

Angenommen, Sie haben eine Restschuld von 200.000 Euro, eine Restlaufzeit von 20 Jahren, einen Aufschlag von 1,25 Prozentpunkten und einen Kredit, der zum nächsten Quartal anhand des 3-Monats-Euribor angepasst wird. Am 4. September 2026 lag der 3-Monats-Euribor bei 2,679 %. Ihr neuer Sollzins ist dieser Wert plus 1,25 Prozentpunkte.

Zum Vergleich: Wäre Ihr Kredit an den 12-Monats-Euribor gebunden, würde der Wert 3,108 % eingesetzt, beim 6-Monats-Euribor 2,794 %. Der Abstand zwischen diesen Werten zeigt, wie viel Erwartung über die kommenden Monate in den längeren Laufzeiten steckt. Der Kreditrechner auf dieser Website übersetzt jeden dieser Sollzinsen in eine Monatsrate nach der Annuitätenformel und stellt sie der Rate der vorherigen Anpassung gegenüber.

Was ein Prozentpunkt ausmacht

Eine grobe Faustregel hilft beim Einordnen jeder Bewegung. Ein Prozentpunkt mehr Sollzins bedeutet bei 200.000 Euro Restschuld rund 2.000 Euro Zinsen mehr pro Jahr, also etwa 167 Euro im Monat. Bei 300.000 Euro sind es rund 3.000 Euro im Jahr oder 250 Euro im Monat, bei 100.000 Euro entsprechend die Hälfte. Ein Zehntelprozentpunkt ist ein Zehntel davon.

Bei einem Annuitätenkredit weicht die tatsächliche Änderung der Monatsrate etwas von dieser Faustregel ab, weil sich mit dem Zins auch die Aufteilung zwischen Zins- und Tilgungsanteil verschiebt. Je länger die Restlaufzeit, desto näher liegt die Faustregel an der Wirklichkeit.

Wo der offizielle Referenzwert steht

Anders als in Spanien oder Portugal gibt es in Deutschland und Österreich keine amtliche Verlautbarung, die einen Hypotheken-Euribor eigens veröffentlicht. Maßgeblich ist der von EMMI festgestellte Satz für die im Vertrag genannte Laufzeit. Ihre Bank teilt Ihnen zur Anpassung den neuen Sollzins und den verwendeten Referenzwert mit, meist per Zinsanpassungsmitteilung oder auf dem Kontoauszug.

Öffentlich nachprüfen können Sie den Wert mit 24 Stunden Verzögerung in den offiziellen Daten der EZB. Diese Website verwendet die amtlichen Euribor-Tageswerte und die Monatsdurchschnitte des EZB-Datenportals. Die Tageswerte finden Sie auf den Jahresseiten der jeweiligen Laufzeit, die Monatsdurchschnitte auf den Monatsseiten.

Was Sie im Vertrag nachlesen sollten

Damit Sie jede Anpassung selbst nachvollziehen können, brauchen Sie aus Ihrem Vertrag sechs Angaben:

Viele Verträge in Österreich enthalten außerdem eine Regelung, ob und zu welchen Bedingungen ein Wechsel in eine Fixzinsphase möglich ist. Auch das ist eine Frage des Vertrags, nicht des Euribor. Mit den sechs Angaben oben und den Tabellen dieser Website können Sie die Mitteilung Ihrer Bank Zahl für Zahl prüfen.

Was bedeutet das für einen Kredit?

2,679 % + 1,25 pp = 3,93 %
Monatsrate
1.204 €
Bei der letzten Anpassung (2,655 %)
1.202 €
+3 € / monat

Annuitätenformel; unterstellt, dass der Zins für die gesamte Restlaufzeit gilt. Ihre Bank kann runden oder eine andere Konvention verwenden.

Häufige Fragen

Welcher Euribor gilt für meinen variablen Wohnkredit?

In Österreich und Deutschland ist es üblicherweise der 3-Monats-Euribor, der zuletzt am {date} bei {rate_month_3} lag. Ihr Vertrag nennt die Laufzeit ausdrücklich; manche Verträge verwenden auch den 6-Monats- oder 12-Monats-Satz. Maßgeblich ist immer die Zinsanpassungsklausel im Vertrag.

Wie oft ändert sich der Zins meines variablen Kredits?

Bei Bindung an den 3-Monats-Euribor üblicherweise vierteljährlich. Zum Anpassungstermin wird der alte Referenzwert durch den aktuellen ersetzt, der Aufschlag bleibt gleich. Ob der Wert eines Stichtags oder ein Monatsdurchschnitt eingesetzt wird, steht im Vertrag.

Was bedeutet ein Prozentpunkt mehr Euribor für meine Rate?

Bei 200.000 Euro Restschuld kostet ein Prozentpunkt rund 2.000 Euro Zinsen pro Jahr, also etwa 167 Euro im Monat vor Tilgungseffekten. Bei 300.000 Euro sind es rund 250 Euro im Monat. Der Kreditrechner auf dieser Website rechnet Ihren eigenen Fall mit Restschuld, Aufschlag und Restlaufzeit durch.

Wo finde ich den offiziellen Referenzwert für meine Zinsanpassung?

Ihre Bank teilt Ihnen den neuen Sollzins mit dem verwendeten Referenzwert mit. Den Euribor selbst stellt EMMI fest; öffentlich nachlesen können Sie ihn mit 24 Stunden Verzögerung in den offiziellen Daten der EZB, als Tageswert oder als Monatsdurchschnitt im EZB-Datenportal, also in den Quellen dieser Website.