Was ist der Euribor?

Ein Referenzzins des Interbankenmarkts

Euribor steht für Euro Interbank Offered Rate. Der Satz gibt an, zu welchem Zins sich Banken im Euroraum untereinander unbesichert Geld für eine feste Laufzeit leihen. Er ist damit kein Zins, den Sie selbst bezahlen, sondern ein Marktpreis, an dem sich Ihr Kreditzins orientiert.

Verwaltet wird der Euribor vom European Money Markets Institute (EMMI) mit Sitz in Brüssel. Euribor® ist eine eingetragene Marke von EMMI; diese Website ist mit dem Institut nicht verbunden und übernimmt die Werte aus öffentlichen Quellen. Den Euribor gibt es seit dem 1. Januar 1999, also seit dem Start des Euro. Damit reicht seine Geschichte weiter zurück als die meisten heute laufenden Kreditverträge.

Die fünf Laufzeiten

Seit dem 1. November 2013 wird der Euribor für fünf Laufzeiten festgestellt: 1 Woche, 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate und 12 Monate. Zuvor gab es 15 Laufzeiten; die Reduktion diente der Konzentration auf die Sätze, die im Markt tatsächlich genutzt werden.

Jede Laufzeit ist ein eigener Zinssatz mit eigenem Verlauf. Die kurzen Sätze für 1 Woche und 1 Monat liegen sehr nah an dem, was die Europäische Zentralbank über ihren Einlagesatz vorgibt. Je länger die Laufzeit, desto stärker enthält der Satz eine Erwartung darüber, wie sich die Geldpolitik in den kommenden Monaten entwickelt. Der 12-Monats-Euribor ist deshalb der Satz, der sich am frühesten bewegt, wenn der Markt mit einer Änderung rechnet.

Für Kreditnehmer in Deutschland und Österreich ist vor allem der 3-Monats-Euribor wichtig, weil variable Wohnkredite dort üblicherweise an ihn gebunden sind und vierteljährlich angepasst werden. In Spanien, Portugal und Finnland dominiert dagegen der 12-Monats-Satz, in den Niederlanden der 1-Monats-Satz. Wer die Nachrichten aus anderen Ländern liest, sollte also immer prüfen, von welcher Laufzeit die Rede ist.

Wie der Satz zustande kommt: die hybride Methodik

Seit 2019 wird der Euribor nach einer hybriden Methodik berechnet. Ein Panel von rund 19 Banken meldet täglich seine Daten an EMMI. Wo immer möglich, beruht die Meldung auf tatsächlich abgeschlossenen Geldmarktgeschäften; nur wenn nicht genügend Geschäfte vorliegen, kommen weitere, aus Marktdaten abgeleitete Verfahren zum Einsatz. Das unterscheidet den heutigen Euribor von seinen Anfangsjahren, in denen die Banken ihre Sätze im Wesentlichen schätzten.

Für Sie als Kreditnehmer bedeutet das: Der Wert, der bei Ihrer Zinsanpassung eingesetzt wird, ist ein an Transaktionen verankerter Marktpreis und keine Verhandlungssache zwischen Ihnen und Ihrer Bank. Verhandelbar ist nur der Aufschlag.

Zinstage: die Konvention ACT/360

Der Euribor wird nach der Zinstagekonvention ACT/360 berechnet. Das bedeutet: Die tatsächliche Anzahl der Kalendertage einer Zinsperiode wird durch 360 geteilt, nicht durch 365. Ein Quartal mit 92 Tagen ergibt also den Faktor 92/360, ein Quartal mit 90 Tagen den Faktor 90/360.

Für einen Kredit mit vierteljährlicher Anpassung heißt das, dass die Zinsbelastung eines Quartals nicht nur vom Zinssatz, sondern auch von der Anzahl seiner Tage abhängt. Ob Ihre Bank für die Kreditzinsen dieselbe Konvention verwendet oder eine andere, steht im Kreditvertrag; die Konvention gilt zunächst nur für den Referenzsatz selbst.

Veröffentlichung um 11:00 Uhr und die 24-Stunden-Verzögerung

EMMI stellt den Euribor an jedem Geschäftstag gegen 11:00 Uhr MEZ fest. An Wochenenden und an einigen europaweiten Feiertagen gibt es keinen Euribor; nationale Feiertage, die nur in Deutschland oder Österreich gelten, sind dagegen normale Geschäftstage mit einer Feststellung.

Öffentliche Quellen dürfen die Werte erst mit 24 Stunden Verzögerung weitergeben. Diese Website verwendet die offiziellen Daten der EZB: die amtlichen Euribor-Tageswerte und die Monatsdurchschnitte des EZB-Datenportals. Daraus folgt, dass der jüngste Wert hier in der Regel der des vorherigen Geschäftstags ist. Für eine Zinsanpassung spielt das keine Rolle: Der Stichtagswert oder der Monatsdurchschnitt, den Ihr Vertrag nennt, ändert sich nachträglich nicht.

Warum der Euribor Ihren Kreditzins bestimmt

Ein variabel verzinster Wohnkredit besteht aus zwei Bausteinen: dem Referenzsatz und dem Aufschlag. Der Referenzsatz ist in Deutschland und Österreich üblicherweise der 3-Monats-Euribor. Der Aufschlag ist der Teil, den die Bank für Risiko, Kosten und Marge verlangt, und er bleibt über die Laufzeit in der Regel gleich. Ihr Sollzins ist die Summe aus beiden.

Bei jeder Zinsanpassung, in Österreich und Deutschland üblicherweise einmal pro Quartal, wird der alte Referenzwert durch den aktuellen ersetzt. Steigt der 3-Monats-Euribor zwischen zwei Anpassungen, steigt Ihre Rate; sinkt er, sinkt sie. Wie genau der Referenzwert bestimmt wird, ob als Wert an einem bestimmten Stichtag oder als Durchschnitt eines Monats, und ob gerundet wird, legt die Zinsanpassungsklausel Ihres Vertrags fest. In Österreich, wo variable Kredite einen großen Teil des Bestands ausmachen, ist diese Klausel oft als Zinsgleitklausel formuliert.

Drei Dinge lohnt es sich im Vertrag nachzulesen: welche Laufzeit als Referenz dient, an welchem Datum oder aus welchem Zeitraum der Wert genommen wird, und ob es eine Unter- oder Obergrenze für den Referenzsatz oder den Gesamtzins gibt. Mit diesen drei Angaben können Sie jede Anpassung anhand der Tabellen auf dieser Website selbst nachrechnen.

Häufige Fragen

Wer legt den Euribor fest?

Der Euribor wird vom European Money Markets Institute (EMMI) in Brüssel verwaltet. Grundlage sind die Meldungen eines Panels von rund 19 Banken, die seit 2019 nach einer hybriden Methodik so weit wie möglich aus tatsächlichen Geldmarktgeschäften abgeleitet werden. Weder die EZB noch eine einzelne Bank setzt den Satz fest.

Warum gibt es fünf Euribor-Laufzeiten?

Seit dem 1. November 2013 gibt es den Euribor für 1 Woche, 1, 3, 6 und 12 Monate; davor waren es 15 Laufzeiten. Jede Laufzeit beschreibt, zu welchem Zins sich Banken für genau diesen Zeitraum Geld leihen. Für variable Wohnkredite in Deutschland und Österreich ist der 3-Monats-Euribor die übliche Referenz.

Wann wird der Euribor veröffentlicht?

An jedem Geschäftstag gegen 11:00 Uhr MEZ. Die EZB und ihr Datenportal geben die Werte mit 24 Stunden Verzögerung weiter; deshalb ist der neueste Wert auf dieser Website in der Regel der des Vortags, zuletzt vom {date}.

Warum hängt mein variabler Kredit am Euribor?

Weil der Euribor der Preis ist, zu dem sich Ihre Bank selbst am Interbankenmarkt refinanzieren könnte. Ein variabler Kredit gibt diesen Preis weiter: Referenzsatz plus vereinbarter Aufschlag ergibt Ihren Sollzins, und bei jeder Zinsanpassung wird der aktuelle Referenzwert eingesetzt.