Euribor vs. €STR

Zwei Zinssätze, zwei Aufgaben

Wer sich mit dem Zins seines variablen Kredits beschäftigt, stößt früher oder später auf zwei Namen: Euribor und €STR. Beide beschreiben, was Geld im Euroraum kurzfristig kostet, und beide reagieren auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Trotzdem sind es zwei verschiedene Größen mit verschiedenen Aufgaben.

Der Euribor: Terminzins aus einem Bankenpanel

Der Euribor ist ein Terminzins. Er gibt an, zu welchem Zins sich Banken unbesichert Geld für eine feste Laufzeit leihen, und es gibt ihn für fünf Laufzeiten von einer Woche bis zu zwölf Monaten. Verwaltet wird er vom European Money Markets Institute (EMMI) in Brüssel auf Grundlage der Meldungen eines Panels von rund 19 Banken, seit 2019 nach einer hybriden Methodik, die so weit wie möglich auf tatsächlichen Geschäften beruht.

Weil der Euribor für eine ganze Laufzeit gilt, steckt in ihm nicht nur der heutige Geldpreis, sondern auch die Einschätzung des Marktes, wie sich dieser Preis bis zum Ende der Laufzeit entwickelt. Je länger die Laufzeit, desto größer dieser Erwartungsanteil.

Der €STR: Tagesgeldsatz der EZB

Der €STR, ausgeschrieben Euro short-term rate, ist der Tagesgeldsatz des Euroraums. Er wird nicht von einem Bankenpanel, sondern von der Europäischen Zentralbank selbst berechnet und beschreibt den Zins für unbesichertes Geld von einem Geschäftstag auf den nächsten. Er hat im Januar 2022 den EONIA abgelöst, der bis dahin diese Rolle hatte und eingestellt wurde.

Ein Tagesgeldsatz enthält keine Laufzeiterwartung. Er zeigt, was Geld heute kostet, und er wird jeden Geschäftstag neu festgestellt. Deshalb folgt der €STR dem Einlagesatz der EZB, dem geldpolitischen Anker für den kurzen Bereich, besonders eng.

Wofür die beiden Sätze verwendet werden

Der Euribor ist der Referenzsatz für Kredite mit fester Zinsperiode: variable Wohnkredite in Deutschland und Österreich, die üblicherweise am 3-Monats-Euribor hängen, Unternehmenskredite und viele weitere Finanzierungen im Euroraum. Sein Vorteil ist, dass der Zins für die gesamte Periode zu Beginn feststeht und sich Kreditnehmer und Bank auf eine einzige Zahl beziehen können.

Der €STR dient als Referenz für Geschäfte mit Tagesfrist und für Finanzprodukte, deren Zins aus Tageswerten zusammengesetzt wird, etwa am Geldmarkt und bei Zinsderivaten. Für einen Wohnkredit ist er in Deutschland und Österreich nicht die übliche Referenz.

Warum Sie als Kreditnehmer den Euribor sehen

Ein Kredit mit vierteljährlicher Zinsanpassung braucht einen Satz, der zum Anpassungstermin bekannt ist und für die nächsten drei Monate gilt. Der 3-Monats-Euribor erfüllt genau das: Am Stichtag steht er fest, und der Sollzins für das Quartal ist Referenzsatz plus Aufschlag. Sie wissen am ersten Tag der Periode, was Sie am letzten Tag bezahlen.

Mit dem €STR ginge das nicht ohne Umweg. Er ist jeweils nur für eine Nacht bekannt, und ein Quartalszins müsste erst nachträglich aus rund 60 Tageswerten gebildet werden. Für Ihre Zinsanpassung ist deshalb allein die Laufzeit maßgeblich, die Ihr Vertrag nennt, und das ist in Deutschland und Österreich üblicherweise der 3-Monats-Euribor.

Wie die beiden zusammenhängen

Beide Sätze haben denselben Anker: den Einlagesatz der EZB. Der €STR liegt ihm am nächsten, weil er nur eine Nacht abdeckt. Die kurzen Euribor-Laufzeiten für 1 Woche und 1 Monat folgen ihm ebenfalls eng. Der 3-Monats-, 6-Monats- und 12-Monats-Euribor entfernen sich stärker davon, weil sie Erwartungen über die kommenden Sitzungen des EZB-Rats enthalten. Wenn Sie wissen wollen, wohin sich Ihr Kreditzins bewegt, ist daher der Blick auf den 3-Monats-Euribor und den EZB-Kalender aussagekräftiger als der Blick auf den €STR.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Euribor und €STR?

Der Euribor ist ein Terminzins für Laufzeiten von einer Woche bis zwölf Monaten, ermittelt von EMMI aus den Meldungen eines Bankenpanels. Der €STR ist ein Tagesgeldsatz, den die Europäische Zentralbank selbst berechnet und der nur für eine Nacht gilt. Der Euribor ist unbesichert und laufzeitbezogen; der €STR beschreibt den Preis für Geld von heute auf morgen.

Hat der €STR den Euribor ersetzt?

Nein. Der €STR hat im Januar 2022 den EONIA abgelöst, den früheren Tagesgeldsatz des Euroraums. Der Euribor besteht daneben weiter und bleibt der Referenzsatz für variable Wohnkredite in Deutschland und Österreich.

Warum steht in meinem Kreditvertrag der Euribor und nicht der €STR?

Weil ein Kredit mit vierteljährlicher Zinsanpassung einen Satz braucht, der zu Beginn des Quartals für die gesamte Periode feststeht. Genau das leistet der 3-Monats-Euribor. Der €STR ist jeweils nur für einen Tag bekannt, und ein Kreditzins daraus müsste aus vielen Tageswerten zusammengesetzt werden.